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Freitag, 15. Juli 2016

Es war einmal...

Ein Carpodrome hat einen ganz besonderen Charme, weswegen viele Angler vor allem in Grenznähe dieser Angelart verfallen. Hohe Fischdichte, eine quasi Fanggarantie für große Fische, packende Drills und leicht zu erreichende Angelplätze sind nur einige der Vorteile, die kommerziellen Anlagen den Vorzug gegenüber den oftmals schlecht zugänglichen Naturgewässern geben.
Aus genau diesem Grund meldete sich vor knapp einer Woche ein befreundeter Angelkollege bei mir mit der Bitte, ihm Zufahrtswege zu möglichen Angelplätzen an der Saar für den schnellen Feierabendeinsatz zu zeigen. Durch seinen zeitlich sehr beanspruchenden Beruf bleibt ihm selbst keine Zeit Angelplätze zu suchen und zu erkunden. Wir vereinbarten deshalb einen Termin für eine kleine Rundfahrt entlang der Saar, bei der alle bequem mit dem Auto erreichbaren Hotspots angesteuert wurden.
Am Ende der Tour war mein Angelkollege zufrieden und auch für mich selbst lohnte sich die Tour, da wir bei dieser Gelegenheit einen Platz von besonders interessanter Struktur entdecken konnten. Ein kurzer ca. 50 m langer, etwas tieferer Abschnitt, der sowohl stromaufwärts als auch stromabwärts von sehr klaren mit viel Kraut bewachsenen und maximal 1 m tiefen Flachwasserabschnitten eingefasst wird.

Viel natürliche Vegetation im Wasser ist ein Garant für viele Fische, jedoch leider schlecht beangelbar zumal das Wasser sehr klar ist. Der tiefere Abschnitt in unmittelbarer Nähe bot sich hingegen als Angel-Hotspot nahezu an.
Angesichts dieses einzigartigen Struktur wurde die Entscheidung schnell gefasst. Ja, ich wollte den Carpodromes untreu werden und seit langem mal wieder mein Glück an der Saar versuchen. Vielleicht lässt sich an diesem vielversprechenden Platz mal wieder eine Session wie früher unternehmen, als im Sommer unabhängig vom Streckenabschnitt überall stattliche Gewichte erzielt werden konnten. Eine Session also à la "es war einmal".
Der Carpodrome-Einfluss ging an der gewählten Herangehensweise dennoch nicht spurlos vorbei. Als Futter sollte nämlich eine süße, leicht dunkle Fischmehlmischung zum Zuge kommen. Dafür wurde Gardons und Halibut BBQ aus Browning Futterpalette zu gleichen Teilen mit etwas Rohrzucker angemischt. Die dezente dunkelgraue Farbe der Mischung hebt sich nur unwesentlich vom Grund ab, gerade so viel, um Fische auf den Futterteppich aufmerksam zu machen, ohne sie jedoch durch zu starke Kontraste zu verschrecken. Da die Karpfen das ganze Jahr über wie magisch vom "Sweat-Fishmeal"-Aroma angezogen wurden, stand für mich außer Frage, dass auch die Brassen ihm nicht widerstehen würden.
Am Angelplatz angekommen, stand nach sorgfältigem Loten fest, dass es auf ein Angeln mit der Lutscherpose hinauslaufen würde. Auf 11 m Entfernung konnte nämlich eine ca. 1,5 m lange Mulde am Gewässerboden ausgemacht werden, die sauber ohne Hindernisse und noch dazu 10 cm tiefer als die Umgebung war. In genau dieser Mulde, an deren Ende sich vorbei treibende Nahrung natürlicherweise ansammelt, wollte ich meine Köder statisch anbieten.

Dafür wurde zunächst ein apfelsinengroßer Futterball ohne jegliche Köder stehend mit dem Polecup am oberen Ende der Angelzone versenkt. Durch die erhöhte Position beim Cuppen konnte ich gut erkennen, wie stark der Futterballen in der Absinkphase von der Strömung abgetrieben wurde. Präzision ist einer der Schlüsselfaktoren beim Lutscherangeln. Nach kurzer Schätzung musste die folgende eigentliche Anfütterung noch 20 cm weiter stromauf erfolgen, damit die Futterballen genau in der Mulde am Boden landeten.
Nach dem Test-Futterball wurden per Hand fünfFutterballen mit wenigen Maden geworfen. Diese Ballen sollten einerseits ein breiten Futterteppich am Boden erzeugen und andererseits durch das laute Einwurfgeräusch große Fische anziehen. Großbrassen reagieren häufig positiv auf das Einwurfgeräusch, da sie es mit potentieller Nahrung assoziieren.
Darauf folgten zwei mit dem Polecup punktgenau abgesetzte, stark gedrückte Futterballen mit reichlich Maden. Mit der gewählten Futtermischung stellte dies dank der guten Klebkraft kein Problem dar. Zu guter letzt wurden noch drei Ballen mit Mais und Pellets eingebracht. Alles schwere Köder, die nicht zu schnell abtreiben und die Futterballen möglichst lange intakt lassen - bis die Brassen den Platz gefunden haben, was zuweilen schon einige Zeit in Anspruch nehmen kann.
Bei der Montage fiel die Wahl auf eine 8 g Lutscherpose mit einer 0,18 mm starken Quattron PT als Hauptschnur und einem 40 cm langen 0,16 mm starken Vorfach desselben Schnurmodels. Das Setup war bewusst etwas stärker gewählt, da jederzeit mit einer kampfstarken Barbe gerechnet werden musste und sich bei dem stark quirlenden Wasser mit dickerer und somit auch steiferer Schnur besser Verwicklungen vorbeugen lässt.
Nachdem die Montage ausgebracht wurde, tat sich trotz aller Erwartungen erstmals nichts. Warten war angesagt. Nach 30 Minuten allerdings wackelte zum ersten Mal leicht die Antenne und der erste Fisch, ein kleiner Schneider, konnte gelandet werden. Die Kleinfischfänge von Schneidern und Rotaugen setzten sich weitere 30 Minuten fort, jedoch in einem erbärmlichen Rhythmus, da blockiertes Angeln mit schweren Lutschermontagen nicht die optimale Herangehensweise an diese Fischart ist.

Das Nicht-Nachlassen und konstante Nachfüttern kleiner Portionen wurde schließlich dennoch belohnt, als die Antenne sich zunächst leicht aus dem Wasser hob, um dann langsam aber bestimmt abzutauchen. Ein schneller Anhieb und schon kurz danach waren die unverkennliche Schläge einer Brasse zu spüren. Der 2,1 mm Stretch 7 Hohlgummi leistete hervorragende Arbeit, pufferte alle Kopfstöße sicher ab und leitete die Brasse zielstrebig Richtung Kescherkopf. Es war geschafft, die erste Saarbrasse war gelandet.

Ganz entgegen meiner Erwartungen nach dem langsamen Start sollte die erste nicht die letzte Brasse bleiben. Nur wenige Minuten später erfolgte der nächste Biss. Die Fische hatten den Futterplatz gefunden und nach und nach wurden es sogar immer noch mehr. Jetzt war ein entscheidender Faktor, den viele Angler bei gutem Beissverhalten schlichtweg vergessen, konstant mit dem genau passenden Köderanteil nachzufüttern, um die Fische auf dem Platz zu halten. Als bester Futterrhythmus hat sich eine mittlere Kugel gespickt mit reichlich Maden nach jeden zweiten Fisch herausgestellt. Als bester Hakenköder erwiesen sich vier Maden, da weniger und auch mehr Maden eher Kleinfisch anzogen und die Anhiebe ins Leere gingen. Die Anzahl gefangener Brassen stieg an.

Dann jedoch eine Pause in den Bissen. Ganz Carpodrome-typisch, wo oft nach jedem Fang ein anderer Köder gewählt werden muss, um weiterhin Bisse zu erhalten, fing ich an, verschiedene Ködervarianten zu testen und tatsächlich führte diese Vorgehensweise wieder zurück in die Erfolgsspur. Obwohl ich keine Würmer gefüttert hatte, wollten die Fische nun ein Stück Wurm getoppt von zwei Maden. Das Brassenfestival ging weiter und bevor es zu dunkel wurde, ließ sich zum krönenden Abschluss als letzter Fisch ein herrlicher Zander von meinem Köder verführen.
Ein rundum gelungener Angeltag ging zu Ende. 27 Brassen bis zu 3,4 kg, ein Zander, ein paar Kleinfische und keine(!) Grundel standen zu Buche, so dass ich guten Gewissens sagen konnte: "es war einmal" war heute.
Probieren auch Sie mal Gewässer von früher aus, an denen Sie schon länger nicht mehr geangelt haben, vielleicht hält es ebenfalls eine positive Überraschung parat und beschert Ihnen ein unvergessliches Angelerlebnis. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.
Ich wünsche Ihnen schon jetzt viel Erfolg!

Christian Dörr
Team Browning Saarland

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